Unsere Vorstellung eines sinnvollen pädagogischen Konzeptes beruht insofern nicht nur auf einem Ansatz, wie beispielsweise dem Situationsansatz. Dieser fließt sicherlich als Grundlage in unsere Arbeit mit ein, wir haben aber auch einige an­dere Gedanken und Ansätze, die uns in unserer Bildungsarbeit wichtig sind.

Das Ziel, das wir verfolgen ist die optimale Förderung jedes einzelnen Kindes.

Individuelle Fähigkeiten, körperliche, emotionale, schöpferische und geistige Kräfte sollen angeregt und in ihrer Entwicklung gefördert werden. Auf dieser Basis kann sich die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein jedes Kindes entwickeln.

Eine Voraussetzung hierfür ist, dass Kinder erfahren, ein eigenes „Ich“ und einen eigenen Körper zu haben. Dies wahrzunehmen und sich kennen zu lernen, zu akzeptieren und zu schützen sehen wir als eine wichtige Erfahrung an.

So sollen unsere Kinder lernen, mit ihren Aggressionen umzugehen und ein partnerschaftliches, gewaltfreies und gleichberechtigtes Miteinander zu leben

Durch die Erfahrung, dass gemeinschaftliches Tun wie Spielen, Feiern oder das Erfüllen von Aufgaben Freude macht, kann sich ein wirkliches Miteinander entwickeln.

Toleranz gegenüber anderen Kulturen, Nationalitäten und Weltan­schauungen und altersgemäße demokratische Verhaltensweisen sollen im Leben der Gruppen gefördert und erlernt werden.
Wie ist dies zu erreichen?
An dieser Stelle gilt es, die Kinder selbst genauer zu betrachten.

 

Einige Gedanken zu Kindern, Erziehung und Bildung
Kinder sind von Beginn ihres Lebens an neugierig und wollen die Welt erkunden und begreifen: Kinder wollen sich bilden. Diese „Selbstbildungspotentiale“ der Kinder (vgl. auch Schäfer, 2003) wollen wir unterstützen, begleiten und fördern.
Was genau sind nun diese Potentiale, die ein jedes Kind mitbringt?
Der „Ausgangspunkt für die kindliche Erfahrung von der Welt und von sich selbst ist das, was das Kind wahrnimmt. "...allein die Wahrnehmung und Deutung seiner konkreten Lebenserfahrungen (bilden) den Anfang seines persönlichen Wachstums.“ (Schäfer, 2003, S.43)
Dabei ist die Wahrnehmung über Augen, Ohren und Nase, des Körpers ( z.B. innere Empfindungen der Organe, Temperatur, Spannung usw.) und der Beziehungen zu Menschen, aber auch zu Sachen und zu sich selbst gemeint. Diese wird durch Gefühle Form und Aus­druck verliehen. 
Die Bildung der Wahrnehmung, der sinnlichen Erfahrung und der Gefühle ist eine komplexe Aufgabe, die vielfältige sinnliche Erfahrungsmöglichkeiten im All­tag der Kinder erfordert.
Die Wahrnehmungen und Erfahrungen, die ein Kind macht, werden innerlich ver­arbeitet. Es entstehen innere Vorstellungen und Bilder, die die gesamte Situa­tion einschließen. D. h., Kinder erleben die Welt ganzheitlich. Dies geschieht schon bevor das Kind Sprache erlernt. Seine Vorstellungen werden nicht einfach gesammelt und angehäuft, sondern das Kind spielt mit ihnen. Es wiederholt sie, wandelt sie ab und verfeinert sie. Dieser Prozess führt zu einer individuellen „ ..sinnlichen Ordnung der Welterfahrung im Kopf des Kindes“ (vgl. a. Schäfer, S. 94).

Diese Bildung einer eigenen, möglichst reichen und vielfältigen Welterfahrung, möchten wir fördern.

 

Wie können wir dies konkret unterstützen?

 Die Umgebung, die Räume und deren Ausstattung müssen optimal auf die Bedürfnisse der Kinder eingerichtet sein. Herausforderungen und Anregungen sind so zu gestalten, dass sie dem Kind in seinen Interessen und Möglichkeiten entgegenkommen und diese anspornen und nicht begrenzen.

Spielmöglichkeiten, Spielräume und –zeiten sind auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet, das freie Spiel ist ein wichtiges Element der Selbst­bildung und –erfahrung.

Die Erzieherin muss dem Kind zugewandt, annehmend und gesprächsbereit begegnen. Fragen, Aktionen und eigene Ziele der Kinder sind gewünscht, sollen angeregt und unterstützt werden.

Nicht zuletzt halten wir es für sehr wichtig, mit den Eltern vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Ein enger Austausch zwischen Eltern und Erziehe­rinnen hilft den Kindern in ihrer Entwicklung.Die Orientierung an den Selbstbildungspotentialen des Kindes in unserer pädago­gischen Arbeit bildet aber nicht allein die Grundlagen der Bildungsarbeit in der Villa Kunterbunt. Wir arbeiten auch mit der Einsicht, dass sinnvolle Strukturen und Rituale eine wichtige integrative und sozialisierende Wirkung haben. Strukturen und Rituale bilden das „Selbstverständliche“ einer Kultur, unserer Kultur. Insofern sind sie Entlastung für den Einzelnen (z. B.: das Ritual der gemeinsamen Mahlzeiten, der Verabschiedung oder der Begrüßung). Gleichzeitig müssen sie immer wieder mit Sinn neu gefüllt werden und sinnlich erfahrbar sein, um sie erlebbar zu machen. Wir sehen eine gewisse Spannung zwischen den Elementen unserer Pädagogik: Auf einer Seite steht das Kind selbst, das in seinen Bedürfnissen einen Erfahrungs­raum fordert, der vielfältige Anregungen und auch unbegrenzte Zeit für die ei­genen Ideen und Spiele bieten sollte. Auf der anderen Seite erkennen wir die Werte von eingrenzenden Strukturen an, die eine freie Entscheidung der Kinder auch beschneiden. Wie sind diese zwei Aspekte zu vereinen? Gerade in diesem Spannungsverhältnis lernen die Kinder einen Wesenszug des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft kennen und damit umzugehen. Dabei ist es nicht unser Ziel, die Kinder frühzeitig an feste Strukturen zu ge­wöhnen. Vielmehr wollen wir die Kinder die entlastenden, gemeinschaftsschaffenden und sinnstiftenden Aspekte von Strukturen und Ritualen erfahren lassen. Dies geschieht in einem angemessenen Rahmen, der die Bedürfnisse und die selbstbestimmten Aktivitäten der Kinder möglichst wenig begrenzt.

 

Bildungsbereiche
Die vier Bereiche Bewegung, Spiele und Gestalten, Sprache und Natur und kulturelle Umwelten sind Bildungsbereiche, in denen Kinder gefördert werden wollen. In der konkreten Alltagsituation im Kindergarten fließen diese Bereiche immer ineinander. Bildung ist für uns eine ganzheitliche Förderung jedes Kindes vom Säugling bis zum Schulkind. Deshalb sind diese vier Bereiche als analytische Schwerpunkte zu verstehen.

Ein einfaches Beispiel: Ein Kind spielt mit an­deren Kindern und einer Erzieherin ein Singspiel. Was geschieht da? Bei einem Singspiel übt sich ein Kind in der Sprache, im Gesang und in rhythmi­scher Bewegung, es lernt zum Lied gehörende Bewegungen seines Körpers an einer bestimmten Stelle einzusetzen, es beachtet Regeln der Interaktion mit den anderen Kindern und der Erzieherin, es spielt ein (Sing-) Spiel und nicht zu­letzt trainiert es seine Konzentrationsfähigkeit. Aber das Kind erlebt gleichzei­tig auch die Lust, die diese Tätigkeit ihm bereitet, ein Wohlgefühl, das sich mit dem Lied, der Situation und auch den teilnehmenden Menschen verbinden wird. Es entwickelt sich eine Vorstellung in seinem Kopf, die alle diese Elemente verei­nigt, die in allen Bereichen gleichzeitig Erfahrungen ergibt und die Fähigkeiten übt.
 
Bewegung

... ist für jedes Kind das Mittel zur Welt- und Selbsterfahrung. Durch Bewegung erfahren Kinder über sich selbst was sie können, wozu sie fähig sind und gewin­nen damit die Voraussetzung für Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. Sie ler­nen auch mit anderen umzugehen, sie einzuschätzen und ihre Fähigkeiten zu ak­zeptieren und sie machen Erfahrungen über Gegenstände und Dinge, mit denen sie umgehen.
Bewegung, Bewegungserfahrungen bewirken, dass das Kind eine Vorstellung von sich und der Welt entwickelt, wodurch sie die Denk- und Sprachentwick­lung eines Kindes anregen.
Die Spiel- und Bewegungsräume werden in unserer Gesellschaft jedoch zuneh­mend eingeschränkt.
Bewegungserziehung hat deshalb in unserem Kindergarten einen hohen Stellen­wert.

 

Wir fördern Bewegung durch

  • ein großes Außengelände, das bei jedem Wetter genutzt wird (Fahrgeräte, klettern, schaukeln, balancieren,...),
  • einen großen Bewegungsraum (Bewegungsgeschichten, -landschaften, angelei­tete Bewegungsspiele),
  • einen großen Flur, der tobend, bauend, spielend und fahrend genutzt wird,
  • Gruppenräume mit möglichst wenigen Möbeln und viel Platz,
  • veränderbares und vielseitig verwendbares Spielzeug,
  • Zeit und Raum für freies (spontanes, nicht angeleitetes) Spiel (z.B.: Fenster­bänke, Stühle und Tische zum Klettern und Runterspringen, Tobeecke, Rollen­spiele,...),
  • angeleitete Spiele (z. B.: Kreisspiele, Sing- und Sprechspiele, Ballspiele, Fang- und Laufspiele)
  • Waldspaziergänge und Ausflüge.

 

Sinneserfahrungen in der Umwelt und der Natur
In der Umwelt und in der Natur bietet sich ein unerschöpflicher Reichtum an Sinneserfahrungen. Die Sinneswahrnehmungen Fühlen, Riechen, Schmecken, Hö­ren und Sehen können durch viele unterschiedliche Erfahrungen angesprochen und sensibilisiert werden. Hier einige Beispiele:

  • Experimente und Arbeiten mit Heu, Wasser, Kleister, Knete, Matsch, Far­ben ... ermöglichen Erfahrungen im Bereich des Fühlens, der Hände, des ganzen Körper und des Sehens.
  • Lieder, Reimspiele, Rhythmusspiele üben und sensibilisieren die Ohren (sie fördern auch die Sprachentwicklung, Bewegung,...),
  • die Erfahrung wie Paprika, Möhre, Butter oder Quark -möglichst unver­fälscht- schmeckt, entwickelt den Geschmackssinn und ganz nebenbei den Geschmack des Kindes. Deshalb achten wir auf eine gesunde Ernährung und auf ein den Bedürfnissen der Kinder angepasstes Angebot an Speisen. Dazu haben wir ein eigenes Ernährungskonzept erstellt.

Wir sehen in der Natur besondere Möglichkeiten, die Erfahrungen der Kinder zu vervielfältigen und legen deshalb auch dort einen Schwerpunkt. Die Spielräume in der Natur und Gegenstände aus der Natur (z.B. ein Bach, ein Ast oder Matschkugeln) bieten sich an sie umzudeuten (aus dem Gebüsch wird ein India­nerwald, der Ast wird zum Schwert, die Matschkugel zu leckeren Speisen). Diese Offenheit, die andere Spielmaterialien oft nicht besitzen, regt die Phantasie und Kreativität der Kinder an.

Der alltägliche Umgang mit der Natur erzieht die Kinder aber auch dazu, die Na­tur als ein hochwertiges Gut zu betrachten.


Dies möchten wir fördern und nutzen durch

  • Naturspielräume (Wasserspielbereich, Hochbeete, Kräuterspirale, Regenzisterne, wildwuchernde Gebüschecken, unebenes naturähnliches Gelände),
  • Gartenarbeiten (pflanzen, säen, ernten),
  • Spaziergänge ( Bach, Agger, Wald) und Ausflüge,
  • Tierbeobachtung und –versorgung (Aquarium),
  • Herbstmarkt ( Verkauf von Früchten und Gemüse, Marmelade, herbstliche Dekorationsgegenstände,...)
  • Mülltrennnung
  • Spielmaterialien aus Naturstoffen.

Dazu trägt auch die ökologische Bauweise und Planung unseres Gebäudes und die großflächigen Außenanlagen bei.

 

Spielen und Gestalten

Das Spiel hat für die Entwicklung und Bildung des Kindes eine sehr große Bedeu­tung.
Nach Erkenntnissen entwicklungspsychologischer Untersuchungen ist das Spiel die Lernform für Kinder in den ersten sechs Lebensjahren. Dieses Spielen ist jedoch nicht eine Tätigkeit, die Kinder von Geburt an beherrschen. Spielen will gelernt sein. Deshalb ist dieser Bildungsbereich für uns sehr wichtig in der pä­dagogischen Planung und Konzeption. Das Spielen ist eine bestimmte Form, mit der Umwelt in Beziehung zu treten. Das Spiel ermöglicht es dem Kind, die Welt auf eine besondere Art und Weise zu erfahren:

Das Kind bestimmt Rahmen und Regeln des sich Einlassens. Alle Formen der Wahrnehmung und Erfahrung, alle möglichen Bilder, Vor­stellungen und Phantasien können zur Gestaltung des Spiels verwendet werden. Im Spiel folgen Kinder einem eigenen Rhythmus und Zeitrahmen, der durch außen nicht gestört werden sollte. Das Spiel nutzt Räume und Material entsprechend dem Spielzweck, darauf müssen die Materialien und die Räumlichkeiten eingestellt sein und dazu einla­den. Es ermöglicht komplexe Wahrnehmungserfahrungen und bietet einen Pool, in dem Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten untereinander ausgetauscht und verhandelt werden können. Im Spiel kann die Erfahrung von Wirklichkeit neu zusammengesetzt und neu konstruiert werden, insofern ist das Spiel ein schöpferischer Prozess.

Spiel ist so gesehen Arbeit, die Arbeit des Kindes, die Welt zu erfahren und zu begreifen und in ihr zu einem sinnvoll handelnden Individuum zu werden (vgl. auch Schäfer).
Durch das Spiel können Kinder ihre Vorstellungen von der Welt nichtsprachlich oder sprachlich verfeinern und weiterentwickeln. Spiele bieten Gelegenheiten, sich in einer Art Schonraum auf die Wirklichkeit einzulassen. Insofern ist das Spielen sehr wichtig für die Entwicklung der Kinder. Darüber hinaus bietet das Spielen aber auch eine Menge an Möglichkeiten mit Anderen, Kindern oder Erzieherinnen, umzugehen und die Spielregeln des Mitein­anderumgehens auszuloten und zu entwickeln.
Spielsituationen werden immer wieder von den Erzieherinnen beobachtet und je nach Bedürfnissen mitunter begleitet. Das Spiel selbst wird von unseren Erzie­herinnen auch als ein „spielen lernen“ wahrgenommen und unterstützt. Diesem Zweck des „spielen lernens“ können angeleitete Spiele, Spielanlässe oder Situationsanordnungen, die den Kindern immer wieder in verschiedenen Formen angeboten werden, dienen. Das kindliche Gestalten (Arbeiten mit Farben, mit Knete, Matsch, Sand, Kleber, Schere und anderen Werkzeugen, Blätter und weiteren Naturmaterialien, Stof­fen und...) hat nicht in erster Linie den Sinn ein schönes Produkt herzustellen. Kinder können durch das Umgehen mit diesen Medien Erfahrungen machen über den Gegenstand und über sich selbst im Umgang damit -  sie entwickeln eine Art Sprache der Gestaltung. Je mehr Medien ihnen dazu zur Verfügung stehen, umso größer wird der Erfahrungsschatz der Kinder und umso vielfältiger kann sich ihre individuelle Gestaltungssprache entwickeln. Der Bereich der Gestaltung bietet dadurch eine Möglichkeit, die Wahrneh­mungsfähigkeit der Kinder zu entwickeln, ihre Ausdrucksfähigkeit zu üben. Der selbstbestimmten kindlichen Gestaltung von Materialien, Raumanordnungen, Spielen oder auch Spielregeln, Rollen usw. geben wir in unserer praktischen Er­ziehung einen sehr breiten Raum, ebenso wie dem Spiel.

 

Sprache

Die Sprache wird von Kindern mit in das Denken und sich Vorstellen der Wirk­lichkeit einbezogen, ebenso wie grundlegende mathematische Fähigkeiten wie die Mengenerfassung oder physikalische Erfahrungen. Wichtig ist es dabei, dass „Kinder in die Lage kommen, ihr eigenes Denken sinnvoll und differenziert sprachlich auszudrücken.“ (Schäfer, S. 171) Die Sprache muss also erst als Werkzeug erprobt werden können, es muss ausprobiert werden können, wozu sie dienen kann und was sie nicht leisten kann. Das bedeutet aber auch, dass Auspro­bieren und Experimentieren von Nöten sind.
Wir sehen in der Wahrnehmung der Themen, an denen Kinder gerade arbeiten, eine wichtige Aufgabe der Erzieherinnen. Die Aufnahme der individuellen The­men sind Gesprächsanlässe, die immer wieder von den Erzieherinnen aufgenom­men werden müssen. Dazu gehört es auch, die Gesprächsanlässe der Kinder un­tereinander zu fördern und zu ermöglichen, sei es durch eine gesprächs­freundliche Atmosphäre, sei es durch die Gestaltung der Räume, die die Grup­penbildung und damit die Kommunikation fördern.
Die sprachliche und die kognitive Entwicklung sind eng miteinander verbunden. Die sprachlichen Fähigkeiten üben sich im täglichen Gespräch mit den Kindern.

Die Erzieherinnen und die Gruppenmitglieder sind die alltäglichen Ansprechpartner jedes Kindes und damit die Übungspartner. Dabei ist es für uns selbstverständlich, den gegenseitigen Respekt auch im sprachlichen Miteinander zu vermitteln. Aber nicht nur das Erfassen des Sinngehaltes, sondern auch das Erkennen der Struktur von Sprache ist von Bedeutung für die weitere Sprachent­wicklung und auch von spielerischem Interesse für das Kind. Dies greifen wir auf durch rhythmische Sprachspiele und spielerische Lautschulung für alle Kinder.
Für die Vorschulkinder bieten wir ein spezielles Training, das Würzburger Sprachtrainingsprogramm „Hören, Lauschen, Lernen“ an. Dabei wird die Sprache zurückgeführt auf die Lautebene und den Kindern so der spätere Erwerb der Schriftsprache über das Nachhören des Wortklanges er­leichtert. Regelmäßig stattfindende Reim- und Lautspiele können so der Lese- und Rechtschreibschwäche vorbeugen.

 

Die soziale Erziehung

Die Erfahrung der Welt ist immer in soziale Zusammenhänge eingebunden. Ein Kind wächst in der Familie, im Kindergarten auf und erfährt durch das Zusam­mensein wie Zusammenleben funktioniert, welche Beziehungen, Sprache, Regeln, Werte und Gefühle seine Mitmenschen haben. Bildung ist deshalb immer ein so­zialer Prozess.
Hier ist es unser Ziel, den Kindern zu ermöglichen, Selbstbewusstsein und –vertrauen zu bilden, sich eigener Gefühle, Bedürfnisse und Interessen bewusst zu werden und diese auch einbringen zu können. Ein zugewandtes und anerkennendes Umgehen mit den Kindern setzen wir hier zur Unterstützung des Prozesses ein. Wir begleiten die Kinder, bestätigen und unterstützen sie, wir besprechen mit ihnen Erlebnisse, entwickeln mit ihnen Fragen, bieten Antworten an und geben Hilfestellung dabei, Probleme zu lösen. Neue und unbekannte Erfahrungen können bei Kindern Unsicherheit bewirken. Hier sehen wir unsere Aufgabe darin, die Kinder zu halten und ihnen einen sicheren Rahmen zu bieten.

Das Leben in einer altersgemischten Gruppe mit festen Regeln und Wer­ten übt Kinder darin, sich sozial zu bewegen ( ein Spiel anregen, etwas ge­meinsam durchführen, mit anderen kommunizieren, etwas dirigieren, sich einordnen, Konfliktlösungen finden, verzichten, sich durchsetzen, helfen, Rücksicht nehmen);

Im Gruppenleben hat das Üben von Empathie (sich in einen anderen hinein­versetzen) einen wichtigen Platz. Es bildet die Grundlage für Mitgefühl, Toleranz und eine erfolgreiche Interaktion mit Anderen. Die Achtung vor sich selbst, dem eigenen „Ich“,  und vor den Anderen mit ihrer eigenen In­dividualität, aber auch vor kulturellen Unterschieden ist uns ein wichtiges Anliegen unserer Erziehung.
Einen wichtigen Bereich der sozialen Erziehung bildet für uns auch das Leben mit Strukturen und Ritualen. Hier möchten wir die jahreszeitlichen Traditionen er­wähnen.
Als Kindergarten und Verein sind wir konfessionell nicht gebunden. Aber wir ver­treten eine Weltanschauung, die sich demokratischer und humanistischer Werte verpflichtet fühlt. Die Würde des einzelnen Menschen und der Natur, die Wertschätzung und Erhaltung der Natur gehören dazu ebenso wie Offenheit und Respekt vor anderen Weltanschauungen und Kulturen. Damit verbunden ist auch die Achtung vor den eigenen und fremden Traditionen.
Insofern ist es unser Ziel, dass Kinder Traditionen und Brauchtum als berei­chernde und gemeinschaftsfördernde Teile des Zusammenlebens erleben. Feste und Feiern sind wichtige Bestandteile des Kindergartenlebens. Dabei beachten wir die persönliche und kulturelle Freiheit und Selbstbestimmung des Einzelnen, die nicht eingeschränkt werden soll. (So feiern wir z.B. in der Vorweihnachtszeit kein Nikolausfest, sondern ein Lichterfest, an dem sich auch muslimische Kinder beteiligen können.)

 

Methoden und Arbeitsweisen - Die Rolle der Erzieherin

Die Begleitung und Förderung frühkindlicher Bildungsprozesse stellen hohe An­forderungen an Erzieherinnen: Eine sensible, fachlich geschulte Wahrnehmungs­fähigkeit vor dem Hintergrund eines zeitgemäßen Fachwissens, eine zuverlässige und interessierte Beziehung zum Kind sowie die kontinuierliche Überprüfung des jeweiligen situativen pädagogischen Handelns lassen dem Kind einen geeigneten Raum zur Entfaltung seiner Selbstbildungspotentiale.
Beobachten, Wahrnehmen, Aushalten, Verständigung und Verstehen, interes­siertes Begleiten, Anregen, Herausfordern- das sind Begriffe, mit denen man die wesentlichsten Handlungskompetenzen, die von den Erzieherinnen erwartet wer­den, beschreiben kann. Die beobachtende Wahrnehmung ist die vertiefte Aufmerksamkeit für das, was Kinder tun, erleben und denken. Aus den Beobachtungen können Ideen für Pro­jektarbeiten entstehen, in denen Kinder Vorstellungen und Bilder im Spiel und Experiment weiterentwickeln und erproben können. Die Themen, die von der Erzieherin aufgegriffen werden, ermöglichen den Kin­dern sich mittels der Kommunikation über diese Themen, durch die thematische Gestaltung der Räume, in den Angeboten an Situationen und Ereignissen, mittels thematischen Spielen und Spielthemen und durch angebotene Stoffe und Materialien mit ihrem Thema zu beschäftigen, es zu erforschen, Antworten auf gestellte Fragen zu bekommen. Damit bietet sie den Kindern Gelegenheit, die eigenen Vor­stellungen weiter zu entwickeln und auszubauen.
(Ein Beispiel: Die Faszination, die Kinder für ein schräges Dach an einem Puppen­haus haben, zeigt sich immer wieder dadurch, dass sie Gegenstände aller Art darauf herunter rutschen lassen. Das kann für die Erzieherinnen Anlass sein, die Kinder anzuregen zu diesem Thema weiter zu forschen. Ein großes, handhab­bares Brett wird herbeigeschafft, das sich zum Aufbau eigener Versuchsanordnungen eignet. Sie können Experimente machen mit einer schiefen Ebene, diese in ihrem Winkel verändern und beobachten was passiert. Welche Gegenstände rutschen, welche nicht, wann rutschen sie, wie schnell oder wie weit usw.. Wie ist es, sich selbst auf einer schiefen Ebene zu bewegen, wie fühlt sich das an? Bei welcher Neigung ist es noch begehbar, wann nicht mehr? Für dieses Thema kann ein Raum gestaltet werden, mit den verschiedensten Utensilien, die neue Erkenntnisse bringen könnten und die die Phantasie der Kin­der anregt, weiter zu forschen. Der Austausch mit den Kindern darüber, was als Nächstes zu tun ist, welche Fragen sie haben und was ihnen an Material fehlt, fördert die Auseinandersetzung mit der Sache und bestätigt die Kinder in ihrem Forscherdrang.)